Zur Geschichte Möhringens und seiner Stadtkapelle

Das Reich Karls des Großen war untergegangen, seine Ländereien waren aufgeteilt, das Herzogtum Alemannien ging im Ostfränkischen Reich auf, da trat an der jungen Donau, deren Versickerung erst 1000 Jahre später augenscheinlich wurde, der Flecken Mereheninga, heute Möhringen, aus dem Dunkel der Geschichte. Es war die Zeit, zu der das erste nachgewiesene deutsche Lied entstand. Ein Dokument aus dem Jahr 882 gilt als erste urkundliche Erwähnung Möhringens, geschrieben in Althochdeutsch, einer Sprache, die heute nur noch Fachleute lesen können und die wir Heutigen, würden wir sie hören, auch nicht verstehen würden. Ein Mann namens Pollo soll am 10. Dezember eine kleines Bauerngut („Hube“) mit dem Kloster St. Gallen getauscht haben - und das vor Zeugen, beurkundet in Möhringen. Es handelte sich also um einen „actum-Ort“, an dem Rechtsgeschäfte beurkundet wurden. Dieses Dokument ist als Urkunde IV 361 im Stiftsarchiv St. Gallen aufbewahrt.

Doch die Siedlung hier ist älter. Römische Münzen, Scherben und eine villa rustica, deren Reste im Boden des Hattinger Berges, durchschnitten von der Bahnlinie Stuttgart-Singen, ruhen, beweisen das. Der Stammvater des Ortes soll „Maro“ oder „Mero“ gewesen sein, ein alemannischer Stammesfürst, dessen Name übersetzt „der Berühmte“ bedeutet. Von „Mero“ zum althochdeutschen „mereheninga“ und dann über das mittelalterliche „Meringen“ zum heutigen „Möhringen“ ist es phonetisch nur ein kleiner Schritt. Übrigens sprechen die Möhringer in ihrer Mundart den Ort noch immer als „Meringe“ aus. Allein die Endung „-ingen“ belegt die Tatsache, dass Möhringen von den Alemannen gegründet wurde. Sie wird gemeinhin mit „bei den Leuten“ übersetzt, womit Möhringen wörtlich genommen also „bei den Leuten des Mero“ heißt. Wahrscheinlich ließen sich die ersten „Möhringer“ hier nieder, nachdem die Alemannen im 3. Jahrhundert den Limes, der die Grenzen des römischen Weltreiches sicherte, überrannten.
Nachdem der Ort nun also 882 erstmals offiziell erwähnt wurde, war Möhringen einer wechselvollen Geschichte unterworfen. Er wurde an verschiedene Herrschaften verschenkt, verkauft, verspielt. Vieles bleibt im Unklaren, z.B. welche Funktion die jeweiligen Herren von Möhringen genau hatten oder wo das abgegangene Dorf Renningen „in der Gegend von Möhringen und Hattingen“ lag und welche Rolle die Wartenberger aus dem benachbarten Geisingen spielten, die ja auch Tuttlingen gründeten. Sicher ist, dass es Möhringen gar zum Zentrum einer kleinen Herrschaft brachte, zu der auch Eßlingen und Ippingen gehörten.

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1308 war dann ein großes Jahr für Möhringen, denn es bekam die Stadtrechte, allerdings fehlt der Quellennachweis für das Zitat, das den Ort als „Stadt“ ausweist. Zu diesem Zeitpunkt standen schon die Kirche und das heutige Rathaus - natürlich im Aussehen anders als heute - und es waren die ersten steinernen Gebäude hier. Kein Wunder, „steinreich“ waren nun mal die kirchliche und die weltliche Herrschaft, während man davon ausgehen muss, dass die wenigen hundert Bewohner mehr oder weniger in Hütten lebten. Um diese Zeit gehörte Möhringen den Klingenbergern, die wahrscheinlich aus dem Thurgau stammten und im 14. Jhd. die Burg Hohenklingen bei Stein am Rhein erwarben. Später waren sie auch im Besitz des Hohentwiels und das Geschlecht tummelte sich auf den Schlachtfeldern Europas.
Eine „Stadt“ brauchte - damals wie heute - Einrichtungen und Rechte. So war Möhringen mit einer Stadtmauer umfasst, hatte das Marktrecht, das Geld in die Mauern brachte, hatte die Gerichtsbarkeit und auch ein Siegel - nur eines fehlte: Die Stadt hatte kein eigenes Wappen! Sage und schreibe 162 Jahre mussten die Möhringer warten, ehe Kaiser Friedrich III. dem sehnlichen Wunsch entsprach und ein Wappen verlieh - eines mit einem Mohren im Mittelpunkt, einem Mann also. Keinesfalls mit einer „Möhrin“, wie sie heute barbusig in der Ortsmitte auf dem Hechtbrunnen steht. Dieses Wort ist dem Namen „Möhringen“ geschuldet, denn richtigerweise ist ein weiblicher Mohr eine „Mohrin“ und keine „Möhrin“.

pic_urkundeWeshalb aber ein Mohr? Die kaiserliche Kanzlei in Wien lehnte sich dabei an ein älteres Wappen an, das Möhringen-Hattingen-Renningen gehörte. Auch das zeigte schon einen Mohrenkopf - ohne Rumpf - und trug die Farben rot und weiß. Wie es aber überhaupt zum Mohrenbild kam, ist bis heute unklar. Es könnte ein so genanntes „sprechendes Wappen“ und damit wieder auf den mutmaßlichen Ortsgründer Mero zurückzuführen sein. Egal wie dem sei, ein bisschen stolz darf man jedenfalls auf die heraldische Dreifarbigkeit „schwarz-weiß-blau“ sein, denn üblicherweise haben Gemeinden nur zwei Farben im Wappen und die „Trikolore“ ist Staaten vorbehalten. Bis ins 16. Jhd. war Möhringen im Besitz der Klingenberger, die als nicht sonderlich solide galten und deren Haushaltspolitik schließlich dazu führte, dass auch die Herrschaft Möhringen verkauft werden musste. Außer dass die Stadt die Hohe Gerichtsbarkeit bekam, war diese Ära wenig erfolgreich. Neue Herren wurden die Fürstenberger, die ihren Sitz seinerzeit noch in Stühlingen hatten. Mit dem Wechsel anno 1520 begann für Möhringen eine fast 300-jährige Periode als fürstenbergische Stadt, die nur durch eine vorübergehende Verpfändung an die Herrschaft Hans Am Stad unterbrochen wurde.

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Das Ereignis im 16. Jhd. schlechthin war die Reformation mit all ihren Folgen, die an Möhringen aber vorbeiging. Man blieb dem alten Glauben treu und auch der Bauernkrieg verschonte unsere Heimat weitgehend. Allerdings trat in St. Blasien der in Möhringen geborene Abt Gallus Has ins Licht der Öffentlichkeit, weil er ab 1532 das vom Bauernkrieg zerstörte Kloster wieder aufbauen ließ. In den 1980er-Jahren wurde zur Erinnerung an Gallus Has der Weg hinter der Kirche nach ihm benannt. Zudem wurde die Baar in diesem Jahrhundert von der Pest heimgesucht, die bis zu 2/3 der Bevölkerung dahin raffte. Die Ernten waren schlecht und umherziehende Landsknechte plünderten die Dörfer.
Das 17. Jhd. zog herauf und mit ihm der Krieg, der dreißig Jahre dauern sollte. 1643 kam es zur „Schlacht bei Tuttlingen“, wo eine dort im Winterquartier lagernde französisch-weimarische Armee von den kaiserlichbayerischen Truppen überfallen und zerrieben wurde. Möhringen wurde in Mitleidenschaft gezogen, weil auch hier evangelische Truppen lagerten. Besonders umkämpft war die Kirche, an deren Kirchhof in der Schwarzwaldstraße noch ein Schriftzug an diese Kämpfe erinnert. Insgesamt dürfte die Schlacht in und um Tuttlingen ein paar tausend Tote gekostet haben. Als der Krieg 1648 zu Ende war, war die Bevölkerung verarmt und die Stadtmauer zerschossen - sie wurde nie wieder völlig aufgebaut. Vergessen wir trotzdem nicht, dass Möhringen der Sitz einer Verwaltung für die umliegenden Orte Eßlingen, Ippingen, Zimmern, Hintschingen, Kirchen, Hausen, Stetten, Aulfingen, Bachzimmern und Immendingen samt Hewen war. Und auch die Märkte, die es als Stadt abhalten durfte, halfen oft, die wirtschaftliche Not zu überwinden.

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pic_stadtansichtUnd so nähern wir uns dem 18. Jahrhundert und damit dem Geburtstag unseres Jubilars, der Stadtkapelle Möhringen, die im Jahre 1760 gegründet wurde. Dieses frühe Datum ist, wie es im Vertrag zwischen der Stadt Möhringen und der Stadtkapelle von 1951 heißt, durch eine Urkunde belegt, die im Archiv im Rathaus aufbewahrt wird. Allerdings ist schon 1861 in einem weiteren Schriftstück, „das im Jahre 1717 verfertigt wurde“, die Rede von einer Musikerfahne. Das spricht dafür, dass es sogar schon vor 1760 eine Musik im Ort gab. Werfen wir also einen Blick auf unser Städtle zur damaligen Zeit. Wir können es uns vorstellen, wie es auf dem Bild, einer leider nicht signierten Pieta von 1772, zu sehen ist: Die Stadtmauern waren noch vorhanden, nicht mehr ganz ansehnlich, aber immerhin, die stattlichen Tore standen noch. Besonders imposant das Angertor, samt Gefängnis anstelle des heutigen Bahnübergangs. Die Mauern bildeten etwa ein Geviert. Am südöstlichen Ende stand das Schloss mit angebauter Zehntscheuer dort, wo heute die Hermann-Leiber-Straße verläuft, als Ausdruck der weltlichen Macht. In der nordöstlichen Ecke stand und steht die Kirche, sie zierte seinerzeit übrigens noch ein Zwiebelturm, als Zeichen der kirchlichen Macht. In der Marktgasse, die schon außerhalb der Mauern lag, standen die ersten Häuser, der Mettenberg war noch unbewaldet und darunter gab es schon die Kapelle. Auch oben am Hang zur Nonnenburg standen erste Gebäude, eins davon vermutlich das des Henkers, der einen nicht ehrbaren Beruf innehatte und deshalb außerhalb wohnen musste. Das Zentrum der Stadt war - der Name verrät es noch heute - die Mittlere Gasse. Der Mittelpunkt wie wir ihn kennen - rund um den Hechtplatz - lag außerhalb der Mauern und existierte noch nicht. In Möhringen lebten damals etwa 900 Menschen, darunter der bekannte Maler und Bildhauer Conrad Zoll, der mit seiner Familie um jene Zeit von Fridingen nach Möhringen zog und sich im Hause Marktgasse 4 niederließ. Er war der Vater des späteren Fürstenbergischen Hofmalers Franz-Joseph Zoll, der weit über die Grenzen bekannt wurde. Durch ein überdimensionales Auferstehungsgemälde hat er sich in der katholischen Kirche des Städtles verewigt. Zudem begann die Stadt an Bedeutung zu gewinnen, denn hier betrieb man nun die Schafzucht, die bis ins 20. Jahrhundert hinein für große Märkte sorgte. Möhringen war weit über die damaligen Grenzen hinaus als Zentrum des Schaf- und Wollhandels bekannt.

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1760 ist also das nachgewiesene Gründungsjahr unseres Jubilars. In Archivalien ist zu lesen, dass bei einem Fest des Bürgermilitärs und der Schützengesellschaft die neue „türkische Musik“ aufspielte. Das Bürgermilitär war eine nicht kasernierte militärische Einheit und existierte meist neben dem stehenden Heer, die Schützenvereine entstanden bereits im ausgehenden Mittelalter, einer der ersten in Nürnberg. Sie waren politisch orientierte Organisationen mit durchaus militärischen Aspekten. Beide waren von großer Bedeutung im Gemeinwesen des 18. Jahrhunderts.
Überhaupt war das 18. Jahrhundert für die Musikgeschichte bedeutend, denn Kapellen und mit ihnen die Instrumentalmusik gewannen an Bedeutung, die ab nun dem bis dahin im Vordergrund stehenden Gesang heftige Konkurrenz machten.
Heute verwundert vielleicht das Wort „türkische Musik“. Es lässt sich damit erklären, dass dieser Begriff nach den Türkenkriegen Einzug im deutschen Sprachraum fand, vor allem in Österreich, denn 1683 lagen die Osmanen vor Wien und drohten es einzunehmen. Er erinnerte an die Janitscharen, eine Militärmusik der Osmanen. Man hörte sie bei Paraden, aber auch bei Schlachten, wo sie die Kämpfenden motivieren sollte. Elemente aus dieser Musik fanden schließlich Eingang in die Kompositionen u.a. von Mozart und Haydn. Schon bald fehlte die „türkische Musik“ in Möhringen bei fast keinem Anlass - und so ist es bis heute, 250 Jahre später - geblieben.
Dass die Musiker bald zum Alltagsbild der Stadt Möhringen gehörten, wird durch die Tatsache belegt, dass sie schon 1801 fünfzehn Mann zählten und bereits vier Jahre später hatten sie eine „einheitliche prächtige Uniform“, von der es leider keine Beschreibung mehr gibt. Sicher ist, dass die Stadt damals wie heute die Blasmusik unterstützte, denn in den Rechnungsbüchern der Jahre 1804/05 sind 6 Gulden für die Reparatur einer Trommel und weiterer Instrumente ausgewiesen.

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Tiefgreifende politische Veränderungen gab es 1806 nicht nur für das Fürstentum Fürstenberg, sondern in deren Gefolge auch für die heutige Stadtkapelle. Napoleon veränderte nämlich die Landkarte Europas und so entstand das Großherzogtum Baden, das dem französischen Kaiser durch seine Mitgliedschaft im Rheinbund verpflichtet war. So kam es, dass auch viele badische Landsleute, ebenso wie Männer aus den Königreichen Württemberg und Bayern, mit Napoleon in den verheerenden und katastrophal endenden Russlandfeldzug von 1812 zogen. 1815 brach im fernen Indonesien der Vulkan Tambora aus, dessen Asche das Weltklima veränderte und die darauffolgenden Jahre auch bei uns zu „Jahren ohne Sommer“ werden ließen. Es gab Unwetter, viel Schnee und Überschwemmungen. Die daraus folgende Hungersnot anno 1816/17 war auch bei uns schlimm. Viele Menschen wanderten aus. Trotz allem gab es die Musik, sie überstand auch die Hungerjahre in Möhringen. Aus unserer „türkischen Musik“ wurde nun eine „Musikgesellschaft“. Das Bürgermilitär, dem die Musik noch immer angeschlossen war, wurde pic_fahnenach der badischen Revolution 1849 aufgelöst. Auch daran sieht man die politische Bedeutung der Einrichtung. Möhringen stand bei der Revolution allerdings abseits. Ein Aufruf zur Bewaffnung und Teilnahme am geplanten Umsturz, den der badische Revolutionär Friedrich Hecker von Konstanz kommend in Geisingen verbreitete, fand hier kein Gehör. So war die Kapelle fester Bestandteil des örtlichen Lebens, als 1863 die Freiwillige Feuerwehr Möhringen eingerichtet wurde. Während zuvor jeder verpflichtet war, für die Brandbekämpfung zu sorgen, wurden nun alle Bürger bis 40 Jahre zusammengefasst, es wurden Statuten erlassen, das Löschwesen wurde geregelt, die Stadt übernahm die Kosten für Montur und Ausrüstung. Die Musik wurde damit offiziell zur städtischen Einrichtung, was sie noch heute ist.
Aus diesem Anlass erhielt die Feuerwehrkapelle, wie sie nun hieß, ihre noch immer imposante Seidenfahne in den Stadtfarben schwarz-weiß-blau, die ein Jahr später geweiht wurde. Es gibt zudem eine gut erhaltene Fahne, deren Ursprünge bislang noch unklar sind. Sie ist 60x70cm groß, weinrot und zeigt - natürlich - den Mohren im Stadtwappen und auf der anderen Seite das Wappen des Fürstentums Fürstenberg. Damit wäre davon auszugehen, dass sie aus der Zeit vor 1806 stammt, das ist zurzeit der Entstehung dieses Textes nicht endgültig geklärt. Und noch eine Anmerkung: Aus dem Jahre 1879 ist ein Plakat bekannt, auf dem die musikalischen Mitglieder aufgezählt sind. Die Überschrift lautet „Frohsinn“, und darunter steht „Musikgesellschaft“. Dies führte zu Spekulationen, ob es hier gar eine zweite Kapelle gab? Eher nicht, denn das Archiv gibt dazu nichts her. Wahrscheinlicher ist es schon, dass es sich um eine Liste eben der örtlichen Musik und des Gesangsvereins Frohsinn, den es hier neben dem Sängerkranz einst gab, handelt.

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Die Ereignisse der großen Politik gingen an der Musik natürlich nicht vorbei und so gab es immer wieder traurige Unterbrechungen der Probearbeiten, zum Beispiel während des deutsch-französischen Kriegs 1870/1871 oder während des 1. Weltkrieges 1914-1918, der das Leben von 57 Möhringern forderte, und natürlich während der Hitler-Diktatur und dem durch sie verursachten 2. Weltkrieg, der 112 Möhringer Soldaten den Tod brachte. Und trotzdem: Die Möhringer Musiker dachten immer daran, ihre Jubiläen zu feiern, die schon zum 150. Geburtstag stattfanden und seit dem 190. im Zehnjahresrhythmus mit Festschriften belegt sind.
In den friedlichen 65 Jahren seit Ende des letzten Krieges nahm unsere Stadtkapelle einen kontinuierlichen Aufschwung, dessen Höhepunkt um 1980 erreicht war, als sie rund 80 Musiker und Musikerinnen zählte. Auch wenn sie heute kleiner ist, so steht doch fest, dass es zum Beispiel die Donewagges, unsere Guggenmusig, nicht gäbe, hätten ihre Musiker ihr „Handwerk“ nicht in der Jugendausbildung der Stadtkapelle gelernt.
Auch nach der Eingemeindung der badischen Stadt Möhringen zum 01.01.1973 in die benachbarte württembergische Stadt Tuttlingen wurde an den Statuten nichts geändert. Noch immer ist sie Stadtkapelle und kein Verein. Das heißt, dass sie keine passiven Mitglieder hat, nur wenige Ehrenmitglieder, und ansonsten nur aus Aktiven besteht. Die Stadt bezuschusst die Kapelle mit einem jährlichen Fixbetrag für Instrumentenanschaffung und Reparaturen. Zudem stellt sie kostenfrei das Probelokal im Dachgeschoss der alten Möhringer Schule zur Verfügung - und die Anschaffung neuer Uniformen ermöglicht die Stadt mit einem kräftigen Zuschuss natürlich auch, wie zum Beispiel zum diesjährigen Jubiläum.
Die Uniformen seit 1945 sind übrigens ein Farbenspiel von eher bieder über sportlich bis elegant: Über die Jahrzehnte hatte man meist nur einheitliche Mützen, schließlich ab ca. 1925 bis in die frühen 1950er- Jahre eine Kleidung, die im Musikerjargon mit „Zirkus Renz“ oder „Sarrasani“ beschrieben wird: Sie war gänzlich in dunklem Blau. Außer dem Stehkragen waren die Achsel- und Schulterklappen typisch, die in den Farben rot, weiß Stadtkapelle von 1902 Stadtansicht von 1916 und blau gehalten waren. Eine silberne Brustkordel komplettierte sie. In der Tat erinnerte sie an Zirkusmusiker, wie man sie auch heute noch kennt. Während man dann in Stadtfarben daherkam - schwarze Hose, hellblaues Jackett, im Sommer trug man ein leichteres weißes, weiße Uniformkappe, so dass man entfernt an Seeleute erinnert wurde, war die Kapelle in den 60er-Jahren in schlichtem Grau, ebenfalls noch mit Mütze, gekleidet. Die Folgeuniform wurde wieder farbenfroher, denn zu einer beigen Hose trug man nun ein rostfarben-rötliches Jackett mit passend-bunter Krawatte und verzichtete erstmals auf die Kopfbedeckung. Diese Kleidung wurde 1990 von den heutigen Farben abgelöst, die man nicht oft sieht. Zu einer schwarzen Hose tragen die Spielleute ein auberginefarbenes Jackett mit Weste und passender Krawatte - und das Stadtwappen auf dem Oberarm durfte natürlich nie fehlen. Besonders farbenfroh und prächtig ist die Kleidung, die die Stadtkapelle seit rund 90 Jahren an der Fasnet trägt: Die Hose besticht durch ein reines Weiß, dazu eine rote Weste, bedeckt von einem schwarzen Schwalbenschwanz. Der Hut ist mit bunten Wollfedern, die spiralförmig gedreht sind, verziert.

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Vom ganz neuen Outfit dürfen Sie sich beim öffentlichen Festakt am 17. September 2010 überraschen lassen! Die Vorstellung der neuen Uniform hat sich die Kapelle als Schmankerl für diesen Anlass aufgehoben.
Die Erfolge der Stadtkapelle Möhringen sind also sicht- und vor allem hörbar. Unter anderem die gern gehörten Weihnachts- bzw. Jahreskonzerte zeugen von großem Können und der Leistung der Frauen und Männer und ihrer Dirigenten.
Dennoch ruht sich die Kapelle nicht auf den Zuschüssen aus, sondern sie tut allerhand, um weitere Finanzquellen durch eigene Feste zu erschließen. Aus dem Möhringer Jahreslauf ist sie nicht wegzudenken.
Über 250 Jahre haben nun Männer - und seit etwa 1970 auch Frauen - in der Stadtkapelle gespielt, sie haben das Städtle durch die Jahre begleitet, bei Freud und Leid und sogar in den Kriegsjahren, sie haben Feste organisiert und vor allem den Menschen immer Freude bereitet. Dabei hatte sie verschiedene Bezeichnungen, sei es Türkische Musik, Musikgesellschaft, Feuerwehrkapelle, Stadtmusik oder Zunftkapelle und Stadtkapelle. Geblieben ist über ein Vierteljahrtausend das Wissen aller um die große Aufgabe, denn was wäre das Leben ohne die Musik?
So dürfen sich die Musikerinnen und Musiker herzlich selbst zum Geburtstag gratulieren. Die heutigen setzen eine Tradition fort, die 1760 - oder sogar schon früher? - begann und es ist zu wünschen, dass diese Musikgeschichte ebenso erfolgreich weitergeht, allen Unbilden des Lebens und der Politik zum Trotz. Das ist auch zu erwarten, da sich alle der langen Tradition bewusst sind, wie sie in der gesamten Bundesrepublik sehr selten ist. Denn das ist es, was das Leben ausmacht: Schöne Stunden miteinander zu verbringen, zu reden, sich des Lebens zu freuen - und unsere Stadtkapelle sorgt dafür!

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